Ein praktischer Rahmen für mieten oder kaufen

Jenseits des Klischees „Miete ist rausgeworfenes Geld" — die echten Kosten beider Seiten und wie man sie sauber vergleicht.

„Mieten ist rausgeworfenes Geld" ist der meistwiederholte Unsinn in der amerikanischen Finanzberatung. Genauso wie „Kauf, sobald du dir das Eigenkapital leisten kannst." Beide übersehen dasselbe: Die richtige Antwort hängt von den lokalen Preisen ab, von der Differenz zwischen Miet- und Kaufkosten und davon, wie lange du bleiben willst. Dieser Leitfaden gibt dir einen Rahmen, der schwerer zu täuschen ist als eine Faustregel.

Was du tatsächlich zahlst, wenn du mietest

  • Monatliche Miete.
  • Hausratversicherung ($10–$25/Monat).
  • Manchmal Nebenkosten, manchmal nicht.
  • Einmalige Kosten: Kaution (rückzahlbar), erste/letzte Monatsmiete, in manchen Märkten Maklergebühren.

Das war's. Wartung, Reparaturen, Grundsteuer, Gebäudeversicherung, Geräteersatz — alles Sache eines anderen. Wenn das Dach um 2 Uhr morgens leckt, rufst du den Vermieter an und schläfst weiter.

Was du tatsächlich zahlst, wenn du kaufst

Hier gehen die meisten Miete-vs.-Kauf-Vergleiche schief — sie rechnen nur die Hypothekenrate und ignorieren den Rest. Die echte Liste:

  • Tilgung und Zinsen der Hypothek. Nur die Zinsen sind „Kosten"; die Tilgung ist erzwungenes Sparen in dein Eigenkapital.
  • Grundsteuer. Stark standortabhängig. 0,3% des Werts pro Jahr in Hawaii. 2,2% in New Jersey.
  • Gebäudeversicherung. Üblicherweise 0,3%–0,5% des Hauswerts pro Jahr.
  • HOA-Gebühren, falls anwendbar. Bei Eigentumswohnungen und vielen Neubaugebieten. Schnell $200–$800/Monat.
  • Wartung. Die Standardschätzung ist 1% des Hauswerts pro Jahr, gemittelt über ein Jahrzehnt. In manchen Jahren ist es null. In anderen geht die Heizung kaputt und es sind $12.000.
  • Abschlusskosten. 2–5% des Kaufpreises, einmalig zu Beginn. Dazu zählen Bearbeitung, Grundbuch, Gutachten, Grunderwerbsteuern.
  • Verkaufskosten. 6–10% des Verkaufspreises, wenn du irgendwann ausziehst. Maklerprovisionen (5–6%), Inszenierung, Übertragungssteuern, Kapitalertragsteuer auf Wertzuwächse über dem Freibetrag.
  • Opportunitätskosten auf das Eigenkapital. Wenn du $80.000 anzahlst, steht dieses Geld nicht mehr für Investitionen zur Verfügung. Bei einer erwarteten Aktienrendite von 8% sind das $6.400/Jahr, auf die du verzichtest.

Die 5%-Regel

Eine saubere Faustregel, populär gemacht von Ben Felix, die die wichtigsten laufenden Kosten von Wohneigentum abbildet:

Jährliche Eigentumskosten ≈ Hauswert × 5%
                          = (1% Wartung) + (1% Grundsteuer) +
                            (3% Hypothekenzinsen abzüglich erwarteter Wertsteigerung)

Bei einem Haus für $500.000 sind das $25.000/Jahr oder etwa $2.083/Monat an Kosten, die kein Eigenkapital aufbauen. Wenn das Mieten einer vergleichbaren Wohnung weniger kostet, ist Mieten rechnerisch günstiger und du kannst die Differenz investieren. Wenn die Miete mehr kostet, ist Kaufen günstiger.

Die 5% sind ein regionaler Mittelwert — in Bundesstaaten mit hohen Steuern liegt der Wert höher, in steuergünstigen niedriger. Passe die Grundsteuerzeile an, und du hast eine genauere Schätzung für deinen konkreten Markt.

Der Break-even-Zeithorizont

Abschluss- und Verkaufskosten sind der Killer: Du zahlst rund 8–12% des Hauswerts allein dafür, ein- und auszusteigen. Verteilt auf 2 Jahre sind das 4–6% pro Jahr reine Reibung. Verteilt auf 10 Jahre nur 0,8–1,2%.

Genau deshalb ist wie lange du planst zu bleiben die wichtigste Variable in der Miete-vs.-Kauf-Entscheidung — wichtiger als der Zinssatz, wichtiger als das Preis-Miet-Verhältnis. Übliche Orientierung:

  • Unter 3 Jahre → Mieten gewinnt fast immer, fast unabhängig vom Preis.
  • 3–5 Jahre → kommt auf das lokale Preis-Miet-Verhältnis an.
  • 5+ Jahre → Kaufen wird zunehmend vorteilhafter.
  • 10+ Jahre und stabil → Kaufen gewinnt meist, selbst in teuren Märkten.

Das Preis-Miet-Verhältnis

Eine schnelle Plausibilitätsprüfung für einen Markt:

Preis-Miet-Verhältnis = Hauspreis / Jahresmiete für ein vergleichbares Haus
  • Unter 15 → Kaufen ist in diesem Markt vermutlich ein gutes Geschäft.
  • 15 bis 20 → grob ausgeglichen; hängt von deiner Situation ab.
  • Über 20 → Mieten ist vermutlich günstiger, oft deutlich.
  • Über 25 → sehr teuer zu kaufen im Verhältnis zur Miete (denk an San Francisco, Manhattan, Vancouver).

In Städten mit hohem Verhältnis spielen die Eigentümer meist auf Wertsteigerung und Steuervorteile, nicht auf monatliche Kosten. In Städten mit niedrigem Verhältnis ist Eigentum schlicht günstiger als Miete, sobald man das Reibungsfenster hinter sich hat.

Gründe zu kaufen, die nichts mit Finanzen zu tun haben

  • Du willst renovieren, streichen, Bäume pflanzen — einen Ort zu deinem machen.
  • Du hast Haustiere oder Kinder, und die Einschränkungen einer Mietwohnung sind ein echtes Problem.
  • Du willst stabile monatliche Wohnkosten (eine Festzinshypothek schützt vor Mietinflation).
  • Du bleibst lange und willst Wurzeln in einer Gemeinschaft schlagen.

Gründe zu mieten, die nichts mit Finanzen zu tun haben

  • Berufliche Flexibilität — du könntest in 18 Monaten für einen besseren Job umziehen.
  • Du willst nicht Hausmeister sein. Vermieter sind nützlich.
  • Du sparst aggressiv für etwas anderes (Firmengründung, Studium).
  • Du weißt noch nicht, wo du langfristig leben willst.

Wie du tatsächlich vergleichst

  1. Wähle ein konkretes Haus, das du kaufen würdest, und eine konkrete Wohnung, die du mieten würdest. Echte Zahlen, nicht generisch.
  2. Nutze die 5%-Regel, um die Allin-Monatskosten von Eigentum abzuschätzen.
  3. Vergleiche mit der tatsächlichen Miete (plus Hausratversicherung) für die vergleichbare Wohnung.
  4. Wenn Eigentum teurer ist, frag dich, ob du die Differenz wirklich konsequent investieren würdest. Die meisten tun das nicht, was Eigentum durch erzwungenes Sparen zu einem Gewinner machen kann, selbst wenn es rechnerisch leicht schlechter ist.
  5. Berücksichtige den Zeithorizont. Wenn du in 2 Jahren umziehen könntest, ändert sich die Analyse drastisch.
  6. Rechne die Zahlen in unserem Mieten-oder-kaufen-Rechner nach, um die kumulierten Kosten beider Optionen Jahr für Jahr zu sehen.

Die Kurzfassung

  • „Mietzahlungen sind rausgeworfenes Geld" stimmt nicht. Eigentum hat eigene Kosten ohne Eigenkapitalaufbau, die meist größer sind, als die Leute denken.
  • Die 5%-Regel ist ein schneller Weg, die echten monatlichen Eigentumskosten zu schätzen.
  • Der Zeithorizont ist wichtiger als Zinssatz oder Preis.
  • Das Preis-Miet-Verhältnis gibt einen schnellen Überblick, ob dein Markt eher das eine oder das andere bevorzugt.
  • Nicht-finanzielle Gründe sind real und legitim. Optimiere nicht das Falsche.